Analysefragen DRAMATISCHE TEXTE:

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LESE-/ANALYSE-PROTOKOLL  / dramatische Texte:

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Autor/in: 

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Titel:  

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  TEXT-FORMAT:                            .

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Begründung:

 

 

1.        W e r   trifft hier im Zusammenhang welcher Konfliktlage auf wen?

 

2.        W a n n  und  w o  findet dieses Aufeinandertreffen statt?

 

3.        W i e   agieren die hier aufeinandertreffenden Kontrahenten  -  und welche Rückschlüsse auf ihre Anliegen läßt ihr Auftreten zu?

 

4.     Wovon ist thematisch-inhaltlich dabei ausdrücklich/unausdrücklich die Rede? / Worum / um welche Konflikte/Themen/Erfahrungen... geht es?

 

4.        Welche Beziehungsziele verfolgen sie mit der Art, wie sie auftreten und argumentieren/sich äußern?

 

 

5.        Welche weltanschaulichen Positionen werden sichtbar oder gar ausdrücklich verfolgt/sind gar ausdrücklicher Konfliktgegenstand?

 

 

6.        W o z u  / Auf welche Erkenntnis hin bei den Dramenfiguren selbst oder auch nur beim Zuschauer findet sich der jeweils vorgeführte dramatische Konflikt am Ende gestaltet?

 

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Okt. 2003  

 

©   Anna Herb  /   Studien-Exzerpt

(ehemalige D-LK-lerin, Abi 2001)

 

Dürrenmatts Dramaturgische Überlegungen

 

Überlegungen zur Tragödie:

-          Die Einhaltung der aristotelischen Einheiten setzt einen Mythos voraus, den das Publikum kennt

o        So kann die Handlung in zwei Stunden durchgeführt werden ohne Sprünge, da die Vorgeschichte durch Anspielungen und Berichte verdeutlicht werden kann

-          Die Tragödie setzt eine gestaltete Welt voraus, versucht Distanz zu überbrücken

-          Die sichtbare Macht von Königen und Herrschern ist Thema

-          Schuld, Not und Verantwortlichkeit der Figuren sind Voraussetzungen

Begründung, warum jetzt Komödie :

-          Die Macht liegt nicht mehr sichtbar bei Königen, sondern bei Mechanismen, die anonym und nicht mehr überschaubar sind

ð      Es gibt keine sichtbare Weltpolitik mehr 

-          Diese Vorgänge sind abstrakt und anonym, so dass es die Aufgabe des Künstlers ist, etwas Konkretes zu schaffen und an kleinen Beispielen die Politik zu zeigen

-          Es gibt keine einzelnen Verantwortlichen mehr, sondern nur noch Kollektivschuldige

ð      „Schuld gibt es nur noch als persönliche Leistung“

ð      „Uns kommt nur noch die Komödie bei“

-          Komik, wenn etwas Abstraktes konkret verfasst wird, das Gestaltlose gestaltet, das Chaotische geformt wird

-          Komödie des Aristophanes setzt sehr konkrete Personen (Staatsmänner, Dichter, Feldherren) als Figuren ein => somit wird ein Bezug zur Wirklichkeit hergestellt und in den theoretischen Ablauf der Dinge im wirklichen Leben eingegriffen

-          Aristophanes: Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, politisch motiviert, Gesellschaftskomödie

ð      Aristophanes zeigt schon allgemeine Abläufe an konkreten Beispielen und Personen

-          Die Komödie verfremdet durch das Groteske und Paradoxe die Welt, so dass Distanz zur Welt entsteht (Clownbsp.)

-          Das Paradoxe, das zur Distanz führt, wird durch den Einfall bewirkt

-          Zeitstück muss distanziert sein => Zeitstück kann nur Komödie sein

-          Da keine Tragödien mehr möglich sind, muss das Tragische aus der Komödie heraus erzielt werden und zwar in der Tragikomödie

Einfall:

-          Mittel der Komödie, um Distanz zu schaffen, ist der Einfall (Tragödie braucht wegen Mythos keinen Einfall)

-          Die Komödie des Aristophanes lebt vom Einfall: er erfindet seine Handlungen (im Gegensatz zur Tragödie) und lässt sie Zeitbezüge annehmen

-          „Seine Stoffe fallen in die Welt wie Geschosse, die, indem sie einen Trichter aufwerfen, die Gegenwart ins Komische, aber dadurch auch ins Sichtbare verwandeln.“

-          Mehrdeutigkeit des Begriffes „Einfall“(nach Dick):

·         Idee, Störfaktor, durch den die Wirklichkeit sichtbar gemacht wird

·         Welt fällt in Dichter sein => Dichter startet Gegenangriff mit einem fiktiven Einfall => Einfall ist also das Phänomen des sprunghaften Übergangs von Welt in Kunst

·         Einfall als Hineinbrechen des Irrationalen

-          Einfall hat Eigendynamik, die die Arbeit des Künstlers vorantreibt oder aber ihn behindert

-          Künstler muss sich überlegen, ob er sich ihm aussetzt und sieht, was mit seinem Stück passiert

-          Bau des Dramas vom Einfall her, nicht von einem allgemeinen Plan her

Held:

-          Früher hohe Gesellschaftsschicht

-          Im bürgerlichen Trauerspiel sieht das Publikum sich selbst auf der Bühne

-          Woyzeck ist niederer als der durchschnittliche Theaterbesucher

ð      Tragischer Held hat sich zum niedern Stand hin entwickelt

-          Held des Komischen sind Menschen der niederen Schicht

ð      In der Entwicklung des tragischen Helden zeigt sich eine Hinwendung zur Komödie

-          Heute gibt es keine Helden mehr in der Geschichtsschreibung; es gibt unendlich viele Tragödien, aber keine einzelnen Bezugspersonen

-          Helden sind für Dürrenmatt mutige Menschen

ð      Romulus u.a. ein mutiger Mensch: in seiner Brust wird die verlorene Weltordnung wieder hergestellt (also vom Speziellen Einzelfall wird das Allgemeine vorgeführt)

Rolle des Publikums:

-          Theater ohne Publikum nicht möglich: Spiel mit Erwartungen des Publikums

-          Nur wenn das Publikum berechenbar ist und etwas erwartet, kann diese Erwartung auch gebrochen und somit ein Ziel erreicht werden

-          Das Publikum wird durch Mittel der Komödie auf Irrwege gelenkt; alle Glauben, es würde in eine andere Richtung laufen, dann kommt der Einfall als Überraschungs­moment und das gesamte Publikum als Masse wird überlistet, muss sich Dinge anhören, die sie eigentlich nicht hören wollen

ð      Diese Erwartungen sind meistens positiv, da die Zuschauer lachen und nichts böses ahnen

ð      Die Erwartung wird nicht erfüllt, es kommt die Überraschung

-          Hinter den Geschehnissen auf der Bühne nimmt der Zuschauer noch ein anderes Kunstwerk war, das durch Assoziationen zustande kommt (bei Romulus: antike Tragödie, da aristotelische Einheiten; Shakespeares Julius Caesar, Fontanes Stechlin; ect.)

ð      Diese Reihe an anderen Kunstwerken lässt das Publikum Erwartungen hegen

-          Es entsteht quasi ein Gegenentwurf zu all den gebrochenen Erwartungen

-          Die Erwartungen, die gebrochen werden garantieren die Explosivität des Einfalls

Verhältnis Wirklichkeit – Theater :

-          Historische Figuren nur als Idee, nicht als Grundlage, da Künstler sonst zu eingeschränkt

-          Durch Parodieren der historischen Figuren wird klar, dass es nicht die Vorlagen sind, sondern dass sie Denkanstoss sind, um den Stoff neu zu erfinden

Nach Große:

-          Theater immer Illusionstheater, Publikum bereit den fehlenden Rest auszumalen

-          Theater nur von der Wirklichkeit inspiriert, verlangt nicht Wirklichkeit zu sein

-          Die Welt ist zu chaotisch – dieses Chaos kann man nicht auf der Bühne abbilden

-          Das Chaos kann nur in der Brust eines Menschen durch Ideen geordnet werden

Schlimmstmögliche Wendung:

-          Eine Geschichte ist dann zuende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat

-          Die schlimmstmögliche Wendung ist nicht vorhersehbar. Sie tritt durch Zufall ein.

-          Die Kunst des Dramatikers besteht darin, in einer Handlung den Zufall möglichst wirksam einzusetzen

-          Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen

-          Planmäßig vorgehende Menschen wollen ein bestimmtes Ziel erreichen. Der Zufall trifft sie dann am schlimmsten, wenn sie durch ihn das Gegenteil ihres Zieles erreichen: Das, was sie befürchteten, was sie zu vermeiden suchten.

ð      Ziel, das der Zuschauer erreichen soll: Das Absurde einkalkulieren, demütig aufnehmen, damit rechnen