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Erzählertypen / ERZÄHLSITUATIONEN:

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Den Sprecher in Erzähltexten nennt man ´ERZÄHLER´.  Mit dem Autor ist er nicht identisch. Der Autor erfindet ihn sich, ebenso wie die Romanfiguren.

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Durch die Erfindung eines bestimmten Erzählertyps schafft der Autor eine bestimmte ´ERZÄHLSITUATION´:

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Erzählertyp/ERZÄHLSITUATION 1AUKTORIALES ERZÄHLEN

Ein Text wird von einer allwissenden, das erzählte Geschehen mehr oder minder ausdrücklich kommentierenden Erzählerfigur erzählt.

 Diese hat selbst keinen Anteil am erzählten Geschehen.  -  Also:  Er-Form.

Auktorialer und Ich-Roman sind historisch ältere Formen. Der Erzähler als »auctor«, als Urheber einer erzählten Welt, bestimmt typologisch die Grundsituation des Erzählens.

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Erzählertyp/ERZÄHLSITUATION 2ICH-ERZÄHLEN

Ein Text wird von einer am erzählten Geschehen selbst beteiligten  Erzählerfigur   -  aus ihrer Perspektive also -   erzählt.

 Wahlweise in:  Ich-  oder   Er-Form.

Die Ich-Form diente in den Romanen des 17. und 18. Jahrhunderts der Beglaubigung des Erzählten, vor allem in Abenteuer- und Reiseromanen.

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Erzählertyp/ERZÄHLSITUATION 3PERSONALES ERZÄHLEN

Ein Text wird so erzählt, daß sich eine Erzählerfigur nicht recht greifen läßt. 

Wann immer von einer Erzählfigur die Rede ist, hat es der Leser jeweils mehr oder minder stillschweigend auch/vor allem mit ihrer Perspektive zu tun - Darstellungsform des dogenannten´´showing´.

Also:  Er-Form.

Die personale Erzählsituation ist eine erst seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte Form.
Voraussetzungen ihrer Entstehung sind:

-    die Forderung nach Objektivität;
-    eine erzähltechnische Neuerung: die strenge Einhaltung einer bestimmten Perspektive;
-    Bewusstsein und Unterbewusstsein des Menschen als Gegenstand der Wissenschaft werden zu einem neuen Thema des Romans.

 

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In jeder der 3 Erzählsituationen existiert darüber hinaus für den Erzähler ein:  ERZÄHL(ER)STANDPUNKT/ eine ERZÄHL(ER)PERSPEKTIVE

- Außen- und/oder Innensicht werden verfolgt

- Augenzeugenberichte werden u.U. eingesetzt

- unmittelbarere Eindrücke sollen vermittelt werden: eher szenisches Erzählen

- ein zeitlich und/oder mental weiterer Abstand zum erzählten Geschehen ist eingenommen:  chronologisches oder panoramisches Erzählen

 

 

 

Bezogen auf den Leser vor allem erfolgt ein Spiel mit Verhältnisvarianten von ERZÄHLZEIT und ERZÄHLTER ZEIT:

hier existieren erzählerische Möglichkeiten des DEHNENS oder RAFFENS bei der Darstellung des jeweiligen Erzählgeschehens.

So können Erzähl-/Lesezeit und erzählte Zeit deckungsgleich (in den seltensten Fällen) oder disperat gestaltet werden, im Einzelfall sogar überdehnt, zumeist aber so oder so gerafft.