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April 1999

 

 

THESEN

ZU EINER POLITIK UND EINER PERSPEKTIVE

M�GLICHEN NICHT-KRIEGES

AUF DEM DERZEITIGEN BALKAN UND ANDERSWO

 

 

Kroaten, Slowenen, Serben, Montenegriner, Bosnier, Kossovaren, Makedonen und Albaner leben bereits seit Jahrhunderten auf einer Ger�llhalde vielf�ltigster Dem�tigungen!

Europ�er, mittlerweile auch Nordatlantiker, und T�rken behandeln sie bis heute als Au�enposten ihrer jeweiligen kulturellen und strategischen Interessensph�ren. F�r Zimperlichkeiten lassen sie dabei keinen Raum, sobald es f�r sie so oder so um in ihren Augen Entscheidendes geht.

 

Die unausbleibliche Folge - nicht anders als im Nahen Osten auch: ein denkbar un�berschaubares und vielf�ltig ressentiment-tr�chtiges, ja Blindw�tigkeiten erzeugendes Kn�uel von Interessen, Aktionen und Rechten, wie es aus �implementierten� - das aktuellste unserer Un-Worte(!)- Kr�fteverh�ltnissen unausweichlich resultieren mu�!

Und es waren und sind unz�hlige �Implementierungen� europ�ischer, t�rkischer und nun auch nordatlantischer Provenienz, die die eingangs genannten V�lker wieder und wieder in Verirrungen treiben, mit denen ihr Umfeld nicht anders umzugehen wei� und auch nicht anders umgehen will als mit einer aktualisierten Version dessen, was es in dieser Randzone seiner Interessensph�ren schon immer gemacht hat: sich einzumischen.

National-Chauvinismen, wie sie s�mtliche s�dslawischen V�lker - insbesondere auch nach dem Tode Titos und dem Zusammenbruch des Ostblocks- wieder entwickelt haben, sind doch keine balkanische Erfindung! Sie sind ebenso gezielte wie unabsichtliche �Implementierungen� des imperialistischen Zeitalters. Und sie geh�ren in den Kontext industrialisierungsgeschichtlich bedingter Nationalstaats-Konzeptionen und -Rivalit�ten, die man dieser Region in Versailles endg�ltig aufgedr�ckt hat, obwohl sie weder den nationalen noch den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen, die das Leben dieser jahrhundertelang fremd beherrschten V�lkerschaften ausmachten, entsprachen.

Woher der Glaube, und woher vor allem der Anspruch, jene �berwindung nationalstaatlicher �Weltordnungen�, wie sie sich, wieder industrialisierungsgeschichtlich bedingt, in den entsprechend weit entwickelten Regionen dieser Welt seit l�ngerem vollzieht, habe nun auch und sofort und aus dem Stand allen gebeutelten V�lkerschaften dieser Welt in der gleichen Weise und im gleichen Ma�e einzuleuchten wie uns?

Was, bitte, wei� ein Mensch mit g�nzlich anderen historischen Erfahrungen als denen ausgesetzten Lebens in kulturellen und strategischen Randzonen von den Problemen der Menschen dort wirklich? Vor allem dann, wenn er immer mehr sein will als ein mit gr��ter Aufmerksamkeit und Achtung zuh�render und die Grenzen respektvollen Gedankenaustauschs nicht �berschreiten wollender Gespr�chspartner?

- Doch nur, da� er selbst sich dankenswerterweise mittlerweile in einem inner- und zwischenstaatlichen Strukturgef�ge bewegen kann, innerhalb dessen sich blutige Konfliktaustragungsmechanismen er�brigen - aber auch nur dort!

Nach au�en hat sich auch an unserer ultima ratio bei der Verfolgung unserer Ziele nichts ge�ndert: sie besteht nach wie vor in milit�rischer Gewaltanwendung!

Und w�rden sich eines Tages im Innern jener Gef�ge, die uns heute Frieden und Wohlstand und wechselseitige Achtung garantieren, Konflikte wieder einmal so anh�ufen, da� wir uns �ber ihrer Sprengkraft �hnlich entsetzen m��ten wie heute �ber der Sprengkraft der �ngste, die die s�dslawischen V�lker unserer Tage einmal mehr umtreiben, so w�rde sich auch innerhalb dieser Gef�ge die Frage nach unserer ultima ratio wieder wie in alten Zeiten stellen.

Vergessen wir doch bitte nicht, auf wievielen Kriegstoten all das in Europa seit dem Mittelalter zusammengek�mpft worden ist, was zun�chst nur staatliches Gewaltmonopol, dann Gro�m�chte-�Konzert�, dann Weltm�chte-Rivalit�t und erst viel sp�ter auch supranationales Institutionengeflecht geworden ist!!!

 

Aber gerade, weil uns umtreibt, was sich da am Rande Europas an uns�glichem Leiden derzeit wieder einmal anh�uft, d�rfen wir uns nichts vormachen:

Unsere Vorfahren haben jahrhundertelang Europa und die Welt zusammengerauft. Glauben wir doch nicht heuchlerisch, sie und wir st�nden damit besser da als die �Tucmans� oder �Milose-vics�� heute! Und das nicht erst, seit namentlich wir Deutschen die europ�ische �Errungen-schaft� des Nationalismus sozialdarwinistisch und rassistisch aufgegipfelt haben!

War beispielsweise Bismarcks Weg zur Gr�ndung des lang ersehnten deutschen Nationalstaates wirklich so anders als der der Kroaten und Serben gestern und heute? Nur weil Bismarck infolge g�nstigerer Voraussetzungen, also Ziel-M�glichkeiten-Relationen, und einer anderen Pers�nlichkeitsstruktur nicht so grausam zu sein �brauchte�, wie seine balkanischen alter egos heute?

Und der Kampf der Alliierten des 2. Weltkrieges gegen die verbrecherische Hegemonialpolitik Deutschlands, Italiens und Japans? Auch ihm eignete doch eine moralische Verfehltheit, die uns erschauern machen m��te! Dieser Kampf nahm schlie�lich nicht nur einen stalinistischen B�ndnispartner in Kauf, der Millionen gemordeter �innerer Feinde� zum Fundament seiner Diktatur gemacht hatte und weiter machte, er nahm vor allem in Kauf, da� diese Diktatur vermittels des Kampfes gegen Hitler den Sprung zur Nachkriegs-Supermacht schaffen konnte! Und er nahm in Kauf, da� so die Wurzeln f�r jenen Ost-West-Konflikt gelegt wurden, der das folgende halbe Jahrhundert lang weitere zig Millionen Tote in aller Welt fordern w�rde! All diese K�mpfe, sie wollten und sollten den Menschen dienen und ein Leben in Freiheit erm�glichen. Und zum Teil haben sie das sicher auch getan. Nur: waren - und sind - es nicht absolut ungeheure Berge von Leiden und Tod, die relativ wenigen gl�cklichen V�lkern den Unterbau zu liefern hatten und haben f�r ihre �Freiheitsinseln�? Unsere Hoffnung, sie seien die Keime einer eines Tages weltumspannenden Freiheitsordnung beruhigt diesbez�glich unser Gewissen schon in einem frappierenden Ma�e!! Was, wenn wir uns die Wahnhaftigkeit dieser Hoffnung eines Tages ebenso eingestehen m��ten wie die V�lker Jugoslawiens heute die Wahnhaftigkeit ihrer nationalistischen Machtstaatsperspektiven?

Die Strukturen, in denen sich die s�dslawischen V�lker heute zurechtfinden und innerhalb deren sie ihre Perspektiven gegen�ber dem finden m�ssen, was schlie�lich auch uns unter dem Stichwort �Globalisierung� nicht unerheblich zu schaffen macht, sind bisher immer nur in kl�glichen Teilen wirklich selbstbestimmt gewesen. Was Wunder, da� das die Sachlage erschwert - und ganz sicher mehr, als wir uns das in der Regel vorzustellen verm�gen.

Das rechtfertigt nicht die Wege, auf die sich die verschiedenen Akteure der Szene dabei schon seit Jahren auf das Entsetzlichste verirren... - wie es denn f�r Gewaltt�tigkeiten �berhaupt und nie eine Rechtfertigung gibt!

Aber Ungerechtfertigtes, ja Verbrecherisches l��t sich nicht dadurch b�ndigen, da� man es als ungerechtfertigt und verbrecherisch bek�mpft. Unterdr�cken l��t es sich nur um den Preis vordergr�ndiger Vernichtung. Ein Scheinsieg immer! Denn es entsteht nicht deshalb, weil wir es zulassen. Und es unterbleibt nicht deshalb auf Dauer und aus Einsicht, weil wir es nicht zulassen, also im Eventualfall gewaltt�tig zu unterbinden suchen. Es entsteht, weil und solange die Beteiligten nichts Besseres wissen! Wieder und Wieder. Solange, bis neue Perspektiven ein neues Verhalten freisetzen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Deutschland seine Kapitulation am Ende des 2. Weltkrieges verwunden h�tte, h�tte es den Ost-West-Konflikt nicht gegeben? Was wohl h�tten �wir gelernt�?

Wo kommen sie denn her, solche neuen Perspektiven? Doch entweder - wie im Falle Nachkriegsdeutschlands - aus neuen Feindbildern, die die Kr�fteverh�ltnisse umwerten und so eine Neuorientierung des Verhaltens und der Wertvorstellungen erm�glichen, weil der �Gesichtsverlust� dar�ber nicht mehr das Hauptthema bleibt. Oder aber aus tats�chlich entstehenden neuen Spielr�umen.

Letztere fallen selbstredend nicht vom Himmel. Sie werden entweder brachial erk�mpft wie derzeit durch die Serben, die UCK und intendierterweise auch durch die NATO. Der so allseits angerichtete Spielraum der Massengr�ber und der verbrannten Erde ist nat�rlich ein Wachstumsraum par exellence - nur: f�r welche k�nftigen Spiele?!

Oder aber sie erwachsen aus dem, was allein Menschen Spielraum gibt und l��t: aus wechselseitiger Achtung - nicht obwohl wir uns alle so leicht in Ausweglosigkeiten verstricken, sondern weil wir alle nicht und nie gegen sie gefeit sind!

Weder ein Hitler, noch ein Pinochet, ein Hussein oder auch ein Milosevics h�tten es je zum Aufbau ihrer jeweiligen Diktaturen gebracht, w�re ihren V�lkern die Achtung ihrer Mitwelt in jenem Ma�e zuteil geworden, das noch das verirrteste menschliche Einzel- wie Gemein-Wesen von seinesgleichen verdient, eben weil es nicht prinzipiell irrtumsanf�lliger ist als irgend ein anderes, sondern nur gerade in einer Situation, die ihm phobisch-aggressive Reaktionsweisen nahelegt!

Wie gehen wir denn mit den zu unseren Perspektiven nicht findenden V�lkerschaften des zerbrochenen Nachkriegsjugoslawien um? Wir sehen die Aggressionspotentiale und das Blutvergie�en - und verstehen reichlich wenig. Unser Entsetzen unterziehen wir dabei kaum einer n�heren Bertachtung. Wir urteilen einfach. Und wir handeln nat�rlich. Denn �tatenlos� zu bleiben, wo wir ratlos sind und ohne wirkliche Kompetenz, das halten wir nicht aus!! Also stochern wir allerlei Vorgaben machend im Konfliktkn�uel (nicht nur) jener Region herum - ohne Gesp�r daf�r, wieviel von der Dankbarkeit, die wir daf�r ernten, ihrerseits das Licht moralischer W�gung zu scheuen hat... Falls wir dergleichen �berhaupt ernten und nicht ganz etwas anderes!

 

Kein Gedanke daran (zumindest keine Rede davon), da� dieses Herumdoktern f�r die betroffenen V�lker eine Dem�tigung nach der anderen bereith�lt.

Kein Gedanke daran (zumindest keine Rede davon), was gerade die Staaten Europas dar�ber wissen m��ten, wie wenig Nationalchauvinismen welcher Art auch immer einfach das Werk einzelner genannt werden k�nnen, die man daf�r verteufeln kann!

Vor wie nach 1918 erwuchsen sie aus der Angst aller jeweils konfliktbeteiligten Gesellschaften, die Umstellung auf die neuen Weltverh�ltnisse nur um den Preis erheblichen eigenen Bedeutungsverlustes zu �berstehen. Und sie tun es heute auf der Wende zum 3. Jahrtausend an vielen Orten der Welt nicht minder aus eben solcher Angst.

Solche Angst macht blind gegen�ber den M�glichkeiten, alte Hypotheken auch unter den sich ver�ndernden Umst�nden noch weiter bew�ltigen zu k�nnen, und folglich unduldsam. - Kein �ber den beiden Weltkriegen dieses Jahrhunderts einmal wirklich nachdenklich gewordener Europ�er, der von dieser Angst nichts w��te und auch nichts davon, wie eng sie mit industrialisierungsgeschichtlich bedingten politischen Ordnungsmodellen und eng werdenden oder gewordenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen einerseits und mit m�chtepolitischen Kr�fteverschiebungen andererseits verwoben ist!

Wo solche Angst verteufelt wird, weil sie starr macht und verzweifelt und fixiert auf scheinbar erfolgversprechende Befreiungsschl�ge, wird ihr phobisches Verhalten denen, die diese Angst haben, gerade nicht fragw�rdig! Es erh�lt so nur jene Best�tigung, die den Rechtfertigungsgrund abgibt f�r eine je l�nger je entschlossener gesteigerte Verbissenheit!

Kein Gedanke daran (zumindest keine Rede davon), da� die Angst der s�dslawischen V�lker ebenso sehr auch unsere Angst ist, nicht nur, weil uns Angst macht, da� wir ihre Folgen nicht wirklich �stoppen� k�nnen und da� uns einholt, wozu wir uns verstiegen haben: der Krieg...,

... sondern weil wir wissen, da� auch wir verwandte �ngste haben und gesellschaftliche Minderheiten, mit denen knapp Gewordenes zu teilen wir uns eines Tages als genau so unf�hig erweisen k�nnten wie die V�lker Ex-Jugoslawiens heute...

 

Und folglich auch kein Gedanke daran und erst recht keine Rede davon, da� die lange Ahnenreihe unserer Mitschuld an jener Blindw�tigkeit, mit der die s�dslawischen V�lker sich beargw�hnen und bek�mpfen (seit ihre Zukunft globalisierungsbedingt ebenso zur Disposition steht wie die unsere, nur beeintr�chtigt durch das Gestr�pp wesentlich ung�nstigerer Voraussetzungen), uns eine Bescheidenheit im Urteil, im Auftreten und in unseren Zielsetzungen auferlegen sollte, die die Rolle dessen, der sich eine hybride Vorgabe nach der anderen ausdenkt und sie �verantwortlich� ins Spiel zu bringen versucht, endlich bewu�t drangibt!

Der Stolz der Menschen, selbst wo er sich aus verh�ngnisvollen Verirrungen speist, l��t dergleichen zurecht nicht zu: Wer von anderen Kurskorrekturen und Fehlererkenntnis verlangt, wird zumindest solange erfolglos bleiben, wie er nicht ebenso grunds�tzlich seine eigene Position auf den Pr�fstand legt wie jene seines Gegners.

 

Ungeheuerlich ist, was insbesondere Serben sich in diesen letzten Jahren des Umbruchs vorgesetzt haben und in den letzten Monaten auf Spitzen treiben, die uns den Schlaf rauben.

Ungeheuerlich ist aber auch, da� wir sp�testens seit Milosevics� Aufstieg von diesen Zielen und den sie untermalenden Nationalchauvinismen aller s�dslawischen V�lkerschaften Kenntnis haben, die Frage nach deren Wurzeln jedoch geradezu prinzipiell dann ausklammern, wenn es zu beleuchten g�lte, wie sehr von au�en konditioniert wurde und wird, was sich da zusammengebraut hat.

Unsere Konditionierung hei�t Einmischung. Und sie hei�t Hochmut. Und nicht zuletzt hei�t auch sie Angst.

Und sie folgt der gleichen Philosophie wie jene, die sie zur R�son bringen will: es g�be Konfliktverursacher und es g�be Konfliktopfer. Gedacht werden sie, als bewegten sich beide in getrennten Welten: denen von Schuld und Unschuld, weswegen selbstredend den �Unschudigen� zu ihrem Recht verholfen werden m�sse, in letzter Konsequenz mit Gewalt, versteht sich. Ihr Leiden wiege schwerer als das der �Schuldigen�, namentlich wenn V�lkermordkategorien erreicht seien.

Jede Einmischung verdankt sich einer solchen Philosophie und jeder Krieg ganz gewi� und nicht zuletzt jeder V�lkermord!

 

 

Und wir sehen es nicht und wollen es nicht sehen.

Denn �wir� haben ja gelernt aus der Geschichte. �Wir� haben ja unseren Nationalismus und unseren Sozialdarwinismus und unseren Rassismus �berwunden. Die s�dslawischen V�lker nicht. �Wir� glauben, begriffen zu haben, da� man verbrecherischen Diktaturen wehren m�sse. Europa trete seine Werte und Errungenschaften mit F��en, wenn es zulasse, nicht tatkr�ftig verhindere, was sich derzeit an �anachronistischer� Barbarei auf seinem Boden vollziehe. - Und wir k�nnen nichts mehr f�hlen und denken als diese Verbrechen - und unsere Verantwortung. Verantwortung nicht im Zusammenhang ihrer Entstehung!!! Sondern Verantwortung f�r ihre Verhinderung!

Und �wir� sind zu Vorzeigesch�lern und mittlerweile f�hrenden Vertretern supranationaler Weltordnungsideen geworden, die wir (ein St�ck weit gewi� zurecht) f�r friedenstr�chtiger halten als die nationalen. Da� sich dem in Europa auch nur ein Volk nicht anvertrauen will und verzweifelte eigene Wege sucht, erkl�ren �wir� f�r inakzeptabel - mit immerhin begrenzt guten Gr�nden, gewi�, aber voller Anma�ung und ungerecht...

 

 

 

Wir zucken zurecht zusammen, wo immer es um V�lkermord geht, denn seine Ma�losigkeit strapaziert unser Begreifen und unsere Verantwortlichkeit ma�los!

Dennoch ereignet er sich von Zeit zu Zeit in der nicht oder irrig bearbeiteten Konsequenz bestimmter massenpsychologischer und materieller Konfliktlagen. - Sie genau zu studieren hatten namentlich wir Deutschen nun sp�testens seit einem halben Jahrhundert denkbar beunruhigenden Anla�. Unsere inzwischen zum Gemeingut erhobene These jedoch, die mangelnde Gegenwehr gegen das Unrecht insbesondere des NS-Regimes habe dessen �Erfolg� ausgemacht, ist ja nun wirklich mehr als eine - noch dazu eher vordergr�ndige - Teilwahrheit nicht! Auf sie jedoch ist unser Wissen von den Zusammenh�ngen in diesen Tagen emotionaler Aufgew�hltheit ganz offenbar geschrumpft!

Entsprechend erscheint es uns als ein - durchsetzbares - Kriegsziel von geradezu neuartiger Integrit�t, den gegenw�rtigen V�lkermord auf dem Balkan aufhalten zu wollen, und nichts als das.

Aber weder sind wir, die wir uns ihm milit�risch in den Weg stellen wollen, unserer eigenen Fehlhaltungen in Vergangenheit und Gegenwart wegen integer genug f�r ein solches Unterfangen..., dessen Mittel �berdies jeder Integrit�t entraten...

... noch besteht wirklicher Einflu� auf Vertreibungs- und Mordkommandos, bevor eine Gesellschaft bzw. ein Staat, die einen solchen Weg gehen, nicht zur vollst�ndigen Kapitulation gezwungen worden sind. - Bis dahin best�rkt man, wo man milit�risches Einschreiten ins Werk setzt, beide nur in ihrem verbrecherischen Treiben - wie wir alle nun seit ann�hernd 4 Wochen verzweifelt wahrhaben lernen m�ssen - wieder einmal!

 

 

Denn es bildet wohl eine der fatalsten unserer Lebensl�gen, uns und die Welt glauben zu machen, Hitler und seine Anh�nger h�tten den Krieg nicht angesteuert, wenn man ihn ihnen nur fr�hzeitig genug aufgezwungen h�tte - bzw.: ein �rechtzeitiger� Pr�ventivkrieg gegen sie h�tte Hitler zum Einlenken gezwungen, seine Diktatur damit ausgehebelt und so Auschwitz verhindern helfen.

Hitler und seine Anh�nger wollten den Krieg. Und sie wollten Auschwitz. Und beides, wo nicht um den Preis des Sieges, so um den des Unterganges.

Und sie wollten nicht zuletzt deshalb den Krieg, weil sie Auschwitz wollten. Denn die Juden waren in ihren Augen die t�dlich gef�hrlichen Verursacher des weltweiten Geltungsverlustes der Deutschen seit 1918 und 1929.

Und die Welt gab ihnen in �gerechter Emp�rung� genau das, was sie wollten: sie nahm diesen Krieg an, ungeachtet der zig Millionen Menschenleben, die er kosten w�rde! Sie lieferte Hitler und seinen Anh�ngern damit den Feind, ohne den f�r Auschwitz kein Anla� bestanden h�tte, der die Energien f�r einen millionenfachen Mord h�tte freisetzen k�nnen...

 

Alle Diktaturen dieser Welt leben zuerst und zuletzt von ihren Feinden. Sie �verhungern� �ber kurz oder lang in ihrem Machtanspruch, wenn man sie in diesem Punkt und mit all ihren Anspr�chen einfach ins Leere laufen l��t - innen wie au�en, geduldig und beharrlich und je l�nger, je mehr...

Dergleichen ist nicht leicht. Dazu braucht es Phantasie. Vor allem aber selbstbewu�te Menschen und selbstbewu�te V�lker, die der Bedr�ngnis den Vorzug geben vor dem Tod, weil sie wissen, da� die Verkrustungen unter anderem diktatorisch verstellter Lebenswelten nie und auch nicht auf gr��ere Dauer das letzte Wort sind.

Alles unterliegt der anarchischen Kraft der Ver�nderung. Sobald sich alle Gegner beispielsweise einer Diktatur als Elemente dieser Kraft verstehen, jeden Ri� aufsp�ren und ihn mit unverstelltem, ohne jede Feindseligkeit in sich ruhendem Leben erf�llen - mit der ganzen Findigkeit, die wir Menschen zu entfalten verm�gen, wenn wir unserem F�hlen und Denken erst einmal eine Richtung und ein Ziel gesetzt haben -, braucht es keine Gewalt. Es wird einfach von uns fallen, was uns zeitweilig so eingeengt hatte.

- Haben wir schon wieder vergessen, da� es etwas gibt, was wir vor knapp zehn Jahren �sanfte Revolution� getauft haben? Und haben wir nicht begriffen, da� dergleichen m�glich wurde, weil sich einfach eines Tages nicht mehr �bersehen lie�, wie funktions-unt�chtig war, was 70 Jahre lang nie wirkliche Lebensf�higkeit gewonnen hatte? Und haben wir nicht wenigstens einmal dar�ber nachgedacht, da� und wie sehr es vermutlich gerade die Feindstellung der Systeme war, die diese Wahrnehmung jahrzehntelang verhindert hat - schien sie sich doch zu er�brigen �ber der �Herz-Lungenmaschine� jener Jahre aus weit mehr als 100 �Stellvertreterkriegen� der Nachkriegszeit? Schlie�lich hat uns die Gegenhypothese ja auch viel besser gefallen: die vom �Sieg� des Kapitalismus infolge seiner gr��eren Integrit�t und Effektivit�t und seiner Politik der St�rke! Aber ist, womit wir uns da schmeicheln, auch wahr?

 

 

 

Wer den Menschen und V�lkern, mit denen er es zu tun hat, die grunds�tzliche Verf�gbarkeit eines solchen Selbstbewu�tseins nicht zutraut, wird auch nicht auf es sto�en! Ja, er wird es eben durch seine ver�chtliche Skepsis t�glich neu zerst�ren.

Ich rede hier keiner Blau�ugigkeit das Wort. Wer einem anderen wirklich Produktives zutraut, ohne ein Gef�ngnis blau�ugiger Erwartungen um ihn und mehr noch um sich selbst zu errichten, l��t sich und ihm endlich jenen Raum, dessen jeder von uns zutiefst bedarf und der ihm Blindw�tigkeiten nicht mehr aufn�tigt.

Hier haben wir unser Korrektiv f�r unsere Verirrungen und nirgends sonst!

 

 

Der Versuch einer Friedenspolitik, die in der Prolongierung oder Neuakzentuierung �geeigneter� Machtgef�lle die Gew�hr f�r die Verhinderung politischer Verbrechen wie f�r ein produktives Miteinander von Menschen und V�lkern sieht, respektiert kein Volk in seinem Selbstbestimmungsrecht und Geltungsbed�rfnis wirklich und dem�tigt ihre Kontrahenten damit t�glich neu. Sie schafft sich auf solchem Wege niemals gleichberechtigte, von phobischem Geltungsdrang freie Partner. Und sie behindert die Entfaltung jenes selbstbewu�ten Menschentums, vor dessen frei gewordenem Blick Diktatoren keine Chance haben!

Wenn n�mlich ohne Bunkermentalit�t in die Welt blickende Menschen in etwas wohlge�bt sind, dann darin, sich diversesten l�stigen, weil unangemessenen Anspr�chen an sie zu entziehen. �Innere K�ndigung� nennt man das auch. Sie �gelingt� im Sinne einer Unterlaufung und Aush�hlung von unertr�glichen Systemen �berall dort in ganz besonderer Weise , wo der �Feind� eines solchen Systems f�r seine Protagonisten nicht mehr auszumachen ist, weil die Nichteinverstandenen hochbewu�t den Schein zu wahren wissen.

Es gilt, ein wichtiges Paradox zu begreifen: Wer Diktaturen mit Gewalt st�rzen will, ganz gleich ob von innen oder von au�en, wird im Falle seines �Sieges� nichts als ein hier oder anderswo nachwachsendes Gorgonenhaupt abgeschlagen haben. Und bis dahin liefert er diesen Diktaturen jenen Feind, der sie und jede Steigerung ihrer inneren und �u�eren Unduldsamkeit �rechtfer-tigt�.

Nur wer einer einmal eingerichteten Diktatur ohne jede so oder so emp�rte Feindseligkeit mit hochkonzentrierter Konsequenz ausweicht - innen wie au�en - und all seine sonstigen Interessen zugunsten dieses Ausweichens mit ebensolcher Entschiedenheit und Opferbereitschaft zur�ckstellt, wie er sonst Krieg zu f�hren bereit w�re - wenn denn Krieg etwas anderes w�re als ein verzweifeltes Auswiegen und Umverteilen von Leichenbergen -, wird erreichen, da� von Tag zu Tag weniger zieht, was die Protagonisten wie die Anh�nger einer Diktatur von ihren V�lkern und ihren Nachbarn wollen!

 

 

Wer den Atem nicht aufbringen will, Auseinandersetzungen von solchem Selbstbewu�tsein her und auf ein solches Selbstbewu�tsein hin zu f�hren (weil er noch im heillosesten Streit um unertr�gliches Verhalten im Auge beh�lt, da� unser aller W�rde im ganz unmittelbaren Wortsinn gerade darin besteht, da� unserem Menschsein Potentiale eignen, die wirklich auszusch�pfen uns allen immer nur punktuell gelingt, aber dann nicht selten um so strahlender), der wird wieder und wieder nur �Wind s�en und Sturm ernten�.

Wer innerhalb wie au�erhalb Restjugoslawiens nicht selbst-bewu�t - also mit den Wurzeln der Fehlbarkeit allen Menschseins vertraut - genug ist, um zu sehen, wieviel und welche Not die Menschen-Schinder der Region zu ihrem Tun treibt (weil er sich abverlangt, allein zugunsten der dabei derzeit meist geschundenen Kossovaren �parteiisch� zu sein): von dem kann nichts Heilendes ausgehen!

Wer nicht im Auge beh�lt, da� kein menschliches Einzel- oder Gemeinwesen einfach platterdings deckungsgleich ist mit dem, was ihm gelingt oder was es verfehlt, weshalb auch noch der, der sich schlimmste Verbrechen zuschulden kommen l��t und auf die Seele l�dt, nicht einfach nichts ist als ein Verbrecher, der verfehlt seinerseits jene unerl��liche Bescheidenheit und Achtung, ohne die Frieden und Vers�hnung nicht wachsen k�nnen.

 

 

 

 

Wer mehr will als einfach nur helfen, all jenen, die so oder so in Hilfsbed�rftigkeit gefallen sind...

Wer an die Strukturen heran will, die solche Hilfsbed�rftigkeiten erzeugt haben, dessen erste Aufgabe ist und bleibt neben allem einfach helfenden Tun das Begreifen:

 

Begriffen werden mu� in meinen Augen, da� an unseren mittlerweile rund zehnj�hrigen Buchstabierungsversuchen an einem Credo weltweiter wechselseitiger Einmischungen zugunsten der Menschenrechte nichts stimmt. Sie am allermeisten bleiben dar�ber n�mlich auf der Strecke!

Begriffen werden mu�, da� jeder Verrechtlichungsversuch politischer Menschenrechtsverletzungen �ber letztlich unertr�gliche Beliebigkeiten niemals hinausgelangen wird.

Begriffen werden mu�, da� Achtung und �chtung nicht zusammengehen.

Begriffen werden mu�, da� wir immer noch unserem eigenen Freiheits-Credo weder au�en- noch innenpolitisch wirklich �ber den Weg trauen.

 

 

F�r das Verfehlte in unserem eigenen Verhalten haben wir uns zu entschuldigen.

Auf weiteres Vorgaben-machen-Wollen haben wir Verzicht zu leisten - ebenso wie selbstredend auf den Krieg, in den wir uns verirrt haben. Auf der Stelle. Und ausdr�cklich. Und ohne jede Bedingung.

Zwischen uns und Milosevics gibt es vorderhand nichts zu verhandeln, und vermutlich �berhaupt nie etwas.

Zwischen uns und den Serben vielleicht eines Tages das, was zwischenzeitig an neuen Interessen�bereinstimmungen entstanden sein und so oder so regelungsbed�rftig werden mag.

Sonst nichts, vor allem keine Ordnung f�r ihren Staat und ihr Zusammenleben mit ...!

Also auch zu keinem Zeitpunkt das, was nach den �berkommenen Kriegskategorien �Friedensvertrag� hie�e ... - v�llig �berfl�ssig bei einem einseitig und bedingungslos eingestellten Krieg - jener einzig wirklich zukunftstr�chtigen Novit�t am Ende eines Jahrhunderts schlimmster Kriege und Vertreibungen, die wir uns erarbeiten sollten!!!

 

Zwischen den Kossovaren und Milosevics gibt erst dann mehr als Schim�renhaftes zu verhandeln, wenn beide solche Verhandlungen in Freiheit miteinander zu f�hren bereit sind. Wo nicht, werden sie das Ihre weiterhin so oder so miteinander auszutragen haben.

Gewi�, die Kossovaren werden dar�ber nach Lage der Dinge auf derzeit unabsehbare Zeit weiterhin auf der Strecke bleiben. Sie sind es l�ngst, ohne da� wir es haben hindern k�nnen. Als sich das Unheil �ber ihren K�pfen zusammenbraute, haben wir zudem die falschen Akzente gesetzt.

Auch wenden k�nnen wir es nicht mehr.

Die effektive und ihnen mittelfristig dauerhafte Lebensm�glichkeiten er�ffnende Linderung ihrer unerme�lichen Not ist nun das, woran wir die Tragf�higkeit unseres Menschenrechtscredos zu erweisen haben.

 

 

Wir haben den Kossovo nicht in der Hand, um ihn den Kossovaren zur�ckzugeben. Und wir werden ihn nicht in die Hand bekommen.

Es sei denn wir f�hrten Krieg bis zur Kapitulation Restjugoslawiens, sofern uns das �berhaupt gelingen k�nnte. Eine ganze Reihe von Erfahrungen spricht gegen diese M�glichkeit.

 

Noch wichtiger: der Kossovo geh�rt auch nicht in unsere Hand! Wie keine Region der Welt, die wir nicht selbst bewohnen!

Wer ihn bewohnen will, mu� das mit denen aushandeln, die ihn ebenfalls bewohnen wollen.

Das war so seit Menschengedenken. Und es kann auch gar nicht anders sein. Denn kein Volk und keine V�lkergemeinschaft hat es je gebessert dadurch, da� es bzw. sie sich daran gemacht hat, Gebiete zu vermakeln! Wieviel immer noch anwachsendes Leid �ber Generationen hinweg hat gerade diese Idee den Menschen im gesamten Nahen und Mittleren Osten eingetragen!

 

Wo sich zwei oder mehr V�lkergruppen einen Lebensraum streitig zu machen beginnen, finden sie entweder zu neuem Konsens, oder sie trennen sich in dieser oder jener Form, oder sie vertreiben einander.

Das machen einzelne im Rivalisieren um Arbeitsstellen etwa und Firmen im regionalen wie weltweiten Wettbewerb nicht anders.

Und nie und nirgends auf dieser Welt wird das je anders sein.

 

Viele Vertreibungen oder Pleiten w�ren nicht notwendig, wenn alle Beteiligten rechtzeitig das Richtige begriffen h�tten. Aber sie laufen nun einmal wieder und wieder auch in die Irre.

Was sollen da Vorw�rfe und Selbstgerechtigkeiten, was der Glaube, dergleichen sei ausrottbar, anachronistisch geworden, am Ende des 20. Jhds mit seinen aufr�ttelnden Lehren in Europa nicht mehr vorstellbar bzw. nicht mehr zuzulassen - und wie dergleichen Formeln mehr in diesen Tagen hei�en?

 

 

 

 

Die Welt braucht keine �Friedensordnungen�. Allein unsere wechselseitige Achtung und unser Einander-gelten-Lassen ist das, woran alles h�ngt.

Achtung kann nicht erzwungen werden.

Wir k�nnen sie nur leben - alle, die sich frei und selbst-bewu�t genug dazu f�hlen - und ihr so in und um uns Raum geben.

Das hei�t: wir k�nnen das, was wir mit- und gegeneinander auszutragen haben, im Geiste der Achtung tun. Dann werden sich auch unsere Kontrahenten einfach nur kraftvoll, ober nicht phobisch gegen uns als ihre Rivalen zur Wehr setzen k�nnen.

Was wir dabei arbeitserleichternd zeitweilig so oder so miteinander in �berschaubare Ordnungen zu bringen verstehen, kann uns diese wechselseitige Achtung erleichtern, weil und soweit sie uns hilft, uns weniger oft zu verirren und nicht in jedem Augenblick alles grundlegend neu durchdenken zu m�ssen. Denn das machte uns handlungsunf�hig.

 

Wann immer wir selbst diesen Geist verfehlen, m�ssen wir ihn uns neu erarbeiten. Denn unsere Ordnungen entgleisen dar�ber.

Wo andere um uns herum dies tun, bleibt ihnen eben dieses Bem�hen ebenso wenig erspart wie uns.

Und leichter wird die R�ckgewinnung solchen Geistes f�r uns alle, wenn wir die Achtung der anderen auch �ber jene Phasen hinweg nicht verlieren, in denen wir selbst in allerlei Ver�chtlichkeiten abgeirrt sind.

 

 

 

In der in diesen Wochen mehrseits beschworenen �B�chse der Pandora� steckt keine �berf�lle so oder so verh�ngnisvoller Vorstellungen und Bestrebungen! Denn niemals wird, selbst was vielen frommt, allen gerecht!!!

In ihr steckt allein unser Unwille, einander zu achten! Es ist unser Unwille, Raum zu lassen f�r den Dissens - den anderen, uns unter Umst�nden irritierenden, befremdenden, beeintr�chtigenden, herausfordernden und nicht selten nat�rlich auch irrigen Weg unserer Mitmenschen.

Unsere Angst: �ber solchem Dissens einst m�hsam gewonnene �berschaubarkeit wieder zu verlieren und dann nur �ber Schl�chtereien neue �berschaubarkeiten wiedererschaffen zu k�nnen.

Unser deshalb verzweifeltes Credo, laut in den Wald unseres mangelnden Zutrauens zu unseren menschlichen M�glichkeiten hineingesungen: Konsens ergebe sich nur aus mittlerweile als konsensf�hig erk�mpften und erwiesenen Ordnungen und ihrer konsequenten und machtorientierten Prolongierung gegen so oder so radikale Infragestellungen - und allenfalls ausnahmsweise aus so oder so sich f�gender freier Konkordanz.

Und das, obwohl unser vielbeschworenes naturwissenschaftliches Weltbild ein Wissen zutage gef�rdert hat, das ein solches Credo ad absurdum f�hrt: Es sagt uns, alles sei Energie, also Stoffwechsel, Gestalt und Bewegung und Bewegung in der Gestalt und zu deren Metamorphosen - immer von neuem gebildet aus einem vieldimensionalen und ebenso geordneten wie chaotischen (!) Wechselspiel von Anziehung und Absto�ung - Licht, in einer Bewegung und von einer Eigenart, die das Dunkel in sich enthalte, sofern es beides zugleich sei: Teilchen und Welle, Masse und Bewegung, Universum und Schwarzes Loch. - Und und und...

 

Warum nur meinen wir, es sei uns aufgegeben oder gar auferlegt, dieses Wechselspiel von Anziehung und Absto�ung, soweit es unsere menschlichen Beziehungsgef�ge betrifft, zu steuern?

Niemand von uns steuert es je.

Wir alle vollziehen es einfach.

Wir assoziieren uns, und wir dissoziieren uns. Mal hellsichtig, mal blindw�tig, mal irgendetwas aus der F�lle dazwischen.

Aber nicht nur unsere zeitweiligen oder dauerhaft endg�ltigen Dissoziationen schmerzen und �ngstigen uns. Sondern selbstredend auch unsere Assoziationen! Beide schaffen Verbindlichkeiten, die wir uns gewinnen um den Preis jeweils anderer Abh�ngigkeiten.

Manchmal sehen oder w�hnen wir unser ganzes Heil im Wechsel unserer Abh�ngigkeiten. Wo das so ist, sollten wir ihn vollziehen bzw. den Bruch annehmen - ohne Feindschaft, wenn m�glich, denn sie erst ist das effektivste �Viagra� unserer Schmerzen.

Nur die Freiheit auch zur Dissoziation ist die Bedingung der Freiheit zur Assoziation und damit zu m�glichster �Friedlich-� und somit denkbar begrenzter �Kriegsartigkeit� der jeweiligen Bewegungsabl�ufe und –findungen.

Was uns assoziativ zu ordnen gelingt, h�lt, solange wir diese Assoziation und keine andere wollen.

Wo wir sie zu wachsenden Teilen nicht mehr wollen, ist eine einstens noch so wertvolle Ordnung hinf�llig geworden und nur durch die Geburt einer neuen �fortzupflanzen� oder abzul�sen.

 

Treiben wir nicht einfach ab, was unter uns ans Licht dieser Welt will, weil wir es gezeugt haben! Es ist in jeder Gestalt wert, da� es existiert, auch wenn es uns wie jedes neue Leben eines Tages f�hlbar werden l��t, da� wir auch und unaufhebbar Abtretende sind, denen die F�lle ihrer M�glichkeiten weder am Anfang noch am Ende ihres Lebens (und manchmal nicht einmal zwischendurch) in voller Selbstbestimmtheit zu Gebote stehen kann.

 

Alles Leben beschenkt uns immer, wenn wir es als Geschenk annehmen.

Nur wo wir es um seine ureigene Existenzberechtigung und Bedeutung bestehlen, es gar aus solcher Bestohlenheit heraus erwachsen lassen und in ihr gefangen halten, handeln wir uns Bestehlung ein.

Ansonsten h�ngt unser ganzes Gl�ck und unser m�glicher Reichtum an unserer F�higkeit zu teilen.

- Nichts Vorgegebenes oder Vorzugebendes freilich, sondern das, was sich einstellt, weil es uns in dieser oder jener Assoziation anzieht oder abst��t und wiederum als von uns Angezogenes und Abgesto�enes aus ihr hervorgeht – mit seinen eigenen mehr oder minder hellsichtigen bis blindw�tigen Assoziationen und Dissoziationen nat�rlich ... und so fort.

 

So ist Leben.

Wir tun uns und der Welt nur vermeintlich etwas Gutes, wenn wir ihrer Vielgestaltigkeit durch so oder so festgezurrte Weltordnungen entgegenzuwirken trachten, damit �Friede� herrsche, oder zumindest nicht Krieg.

Und nichts sogenannt �Gutes� entsteht, wenn wir uns selbst und einander glauben zu machen suchen, nur �ber bestm�glich ziselierte Ordnungen, sei Raum f�r wenigstens ein Minimum wechselseitiger Toleranz.

Raum f�r Toleranz ist nur da, wo uns Achtung gelingt, obwohl wir den Kopf sch�tteln �ber nicht wenige der hochverschiedenen Wege und Haltungen unserer Mitmenschen.

Aber nicht Ordnungen bringen uns auf die Idee, miteinander geduldig zu sein.

Sondern geduldig sind und werden wir, weil und solange wir es wollen. Jeder einzelne von uns und wir alle zusammen.

Und wir wollen es immer von neuem nur dann, wenn wir dem Reichtum in der ungeheuren Vielfalt menschlicher Existenzen - wie der auf besondere Weise reichtumstr�chtigen Armut all dieser Individuationen - auf die Spur gekommen sind...

Hier liegen unsere M�glichkeiten und unsere Grenzen.

Und sie, und nur sie, bilden die Koordinaten, innerhalb derer wir einander zu antworten haben und antworten d�rfen!

Wo wir begreifen, da� wir nichts als das Geflecht aus unseren Antworten �Verantwortung� nennen k�nnen, k�nnen wir vielleicht aufh�ren, einander aus �moralischem Impetus� fremdbestimmen zu wollen.

Verantwortliches F�hlen, Denken und Tun best�nde von hier aus in der offenen Mitteilung und freiwilligen Verschr�nkung oder Nicht-Verschr�nkung all der ideellen und materiellen Horizonte, die auf unserem Erdball zur Teilung anstehen - bzw. in einem mehr oder minder achtungsvollen, ja selbst im ver�chtlichen Kampf um sie.

Jenseits dieses wie immer gerade akzentuierten Verantwortungs- bzw. Antwortgef�ges kann sich niemand auf dieser Erde bewegen.

Es gibt keine Unverantwortlichkeit oder Verantwortungslosigkeit, wie es keine Unmenschen gibt oder Untermenschen, �bermenschen und �hnliches.

Es gibt nur Menschen in Verantwortung!

Wo sie aufeinander h�ren und einander antworten, gelingen ihnen vielleicht Verst�ndigungen.

Wo dergleichen mi�lingt, bleibt f�r alle �Tat- und L�sungs-Versessenen� nichts als das immer neue Abschlagen ohne Ende nachwachsender Gorgonenh�upter.

Oder aber es bleibt der Mut zum Ertragen dessen, was wir nicht hindern k�nnen und zum geduldigen Ersp�ren der Risse in allem Verstellten und Verblendeten, in die sich Neues pflanzen l��t!

Er ginge einher mit der Neuentdeckung unseres Vertrauens auf jenes unendlich produktive Kr�ftespiel zwischen Ordnung und Anarchie, Werden und Vergehen, Aufbau und Zerst�rung, in dem unser Universum in der ganzen atemberaubenden Sch�nheit unabl�ssiger und mannigfaltigster Gestaltwerdungen schwingt - und wir mit ihm in der unseren - weshalb es vermutlich in eben diesem Schwingen seinen Grund wie sein Ziel hat, m�gen wir beides nun �Gott� nennen oder nicht...

 

Heidelberg im April 99                                 Gabriele Weis

 

 

 

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juni 1999

 

 

An alle, die der hoffentlich bevorstehende Friedensproze� in Jugoslawien so oder so angeht!

 

regungen zu dem bisher ins Auge gefa�ten Prozedere nach einem hoffentlich baldigen Ende der Kriegshandlungen

  

Wir sagen �Frieden�, und �reden Krieg�. - Gerade auch in diesen Tagen eines vielleicht und hoffentlich greifbaren Kriegsendes viel zu oft!!!

Nicht zuletzt das sollten wir grundlegend sensibler handhaben!

 

Das Kind ist im Brunnen: Wir f�hren Krieg und haben das Diktat, das uns vorschwebt, seit vorgestern vielleicht wirklich mit einem ersten Anker zu �implementieren� begonnen, wie wir so grauenhaft sagen.

Angenommen, der sich dar�ber abzeichnende Weg nimmt allm�hlich die Gestalt an, um die es uns geht, so scheint mir folgendes von au�erordentlicher Bedeutung:

 

Wir handeln endlich einmal konsequent und ohne jedes Wenn und Aber nach dem Grundsatz vollst�ndiger Gleichberechtigung aller Beteiligten!!

 

Weder geh�rt unter die alliierten Friedenstruppenkontingente eine andere Hierarchie als eine rein milit�rische. Das Oberkommando h�tte in etwa halbj�hrlichem Rhythmus zwischen allen gleichberechtigt zu wechseln. Am besten w�re auch die jeweilige Kontingentst�rke gleich.

Noch sollten die alliierten Friedenstruppen-Staaten und die UNO, dort wo sie etwas zu leisten antreten, zwischen den politischen Vertretungsk�rperschaften der Teilrepubliken Restjugoslawiens irgendeine Art von Hierarchie hinnehmen.

Folglich kann es auch nicht darum gehen, da� da irgendeiner dem anderen hineinregierte in seinen Aufgabenbereich.

 

Die Aufgabenbereiche sind klar zu scheiden:

 

Jugoslawien nimmt die Bearbeitung seiner inneren Probleme g�nzlich souver�n in die Hand. Und es wird dabei keinem Eingriffs-Zwang ausgesetzt au�er dem, auf kriegerische Auseinandersetzungen zu verzichten.

Die bewaffneten alliierten Friedenstruppen beschr�nken sich strikt auf milit�rische und polizeiliche Aufgaben im Kosovo und an seinen Grenzen.

UNO, EU, OSZE und alle sonstigen Staaten beschr�nken ihre politischen Aktivit�ten auf eine reine Ratgeber– und Vermittler-Funktion - dort, wo sie nachgefragt wird!

Zu dieser Vermittlerfunktion geh�rt zuvorderst die Verf�gbarmachung von Aufbauhilfen.

 

Die Aufbauhilfen sollten budjetiert sein nicht f�r Gesamtjugoslawien, sondern f�r dessen verschiedenen Teilrepubliken!

 

Die jugoslawischen Teilrepubliken erhalten freie Mittelpakete, �ber deren Verwendung allein sie entscheiden, die ihnen aber in nur vern�nftig gro� bemessenen Raten verf�gbar gemacht werden.

Bilaterale Hilfen der allierten Friedenstruppenstaaten unterbleiben!

Die Friedenstruppenstaaten vereinbaren unter sich einen Modus f�r den Budgetaufbau.

 

Welche Teilrepublik welches Budget erhalten kann und soll, sollte eine f�r eine begrenzte Periode von der UNO-Vollversammlung auf Vorschlag des Sicherheitsrates hin bestellte Budget-Kommission entscheiden und vor dieser Versammlung rechtfertigen (ihre m�gliche Wiederwahl betreffend; f�r etwaige konstruktive Mi�trauensvoten dieser Versammlung scheinen mir vorderhand allerdings die Voraussetzungen noch nicht zu bestehen).

 

Antr�ge, den jeweils geltenden Budgetschl�ssel betreffend, sind zwischen Vollversammlung und Kommission �ffentlich zu debattieren und erst im Anschlu� an die jeweiligen Debatten von der Kommision im Rahmen eines freien Mandats zu entscheiden.

�ber die Mittelverwendung seitens der Teilrepubliken besteht der UN-Kommission gegen�ber ausf�hrliche Berichtspflicht.

Der Budgetvergeber (die UN-Kommision also) wacht vermittels einer eigenen Kontrollkommision ausschlie�lich dar�ber, da� die Verwender sich keines menschenrechtsverletzenden Mittelmi�brauchs schuldig machen.

Die Teilrepublik, die sich eines solchen Mi�brauchs schuldig machte, w�rde jeweils eine ganze Rate in den Wind zu schreiben haben und Gefahr laufen, auch f�r einen l�ngeren Zeitraum keine Hilfen mehr zu erhalten.

 

Andere Bedingungen d�rfen nicht gestellt werden.

Eine Entwaffung der UCK erscheint mir unrealistisch - bevor Jugoslawien einen Weg findet, seine milit�rische Staatsgewalt so neu zu ordnen, da� entweder jede Teilrepublik einem nurmehr lockeren Staatenbund Jugoslawien mit prinzipiell getrennter, aber vielleicht verb�ndeter milit�rischer Autonomie angeh�rt, oder aber eine neue, gleichberechtigte, gemeinsame Armee Gesamtjugoslawiens mit errichtet (falls es nicht eines Tages in getrennte Teilstaaten auseinandergehen m�chte).

Die Konsequenz sollte sein:

  1. Solange die jugoslawischen Teilrepubliken hier zu keiner so oder so gemeinsam verabredeten L�sung kommen, wird die UCK seitens der alliierten bewaffneten Friedenstruppen ebenso milit�risch in ihren etwaigen Kampfhandlungen bek�mpft wie die serbische Armee. Aber auch nur darin.

  2.  

  3. Die Kosovaren m�ssen (wie die Serben, was die bisher von ihnen dominierte jugoslawische Armee angeht auch) souver�n darin bleiben, in welche Richtung sie mit der UCK (in ihrem Falle) ordnungspolitisch f�r sich verfahren wollen. Wo sie an milit�rischer Autonomie festhalten (bzw. diese neu konstituieren) wollen, hat ihnen auch hier niemand hineinzureden.

Vorgaben dar�ber, wer im Kosovo siedeln darf und wer nicht und wo, k�nnen ausschlie�lich Kosovaren und Serben miteinander aushandeln. Wo sie Umsiedlungen aushandeln sollten, mu� das ihre Angelegenheit bleiben.

Namentlich Vorgaben der Au�enwelt dar�ber, ob und in welcher Staatsform die verschiedenen jugoslawischen Teilrepubliken zusammenbleiben sollen bzw. zusammenfinden werden oder eben nicht, darf es nicht geben!

  

 

Der allf�llige Sturz Milosevics� sollte allein Sache der Serben bzw. der Jugoslawen insgesamt sein.

 

Denn es w�rde den Krieg nur unausweichlich verl�ngern, wollte man die Souver�nit�t Serbiens und die Hilfe f�r diese Teilrepublik von einer Auswechselung der dortigen Regierungsmannschaft abh�ngig machen.

F�r das, was die deutsche Bundesregierung einen �Stabilit�tspakt�nennt, besteht in meinen Augen zumindest vorderhand keinerlei Bedarf.

 

Denn es fehlt jede Voraussetzung f�r dergleichen, wo ein Diktat ergeht und angenommen wird - wie m�glicherweise wirklich am Freitag dieser Woche!

Wir brauchen nicht die Vernebelung von Verh�ltnissen, sondern m�glichste Klarheit und Aufrichtigkeit:

Wir haben uns angema�t der Blutigkeit des bisherigen Weges dieser V�lker zuletzt sogar blutig in den Arm zu fallen - und unsere Ank�ndigung f�r den vor uns liegenden Wegabschnitt besteht darin, ihnen auch weiterhin f�r jede Bluttat blutig auf die Finger zu schlagen.

Zwischen Z�chtiger und Gez�chtigtem gibt es nichts, was einem Pakt gleichk�me oder auf einen solchen hinauslaufen k�nnte.

 

Jugoslawiens V�lker haben wie auch immer das Recht auf ihren eigenen Weg. Mag dieser nun auf Europa zu und in es hinein f�hren oder auch nicht. Mag er von ihnen auf Gemeinsamkeiten hin geebnet oder auf Trennendes hin vorangetrieben werden. Mag er sich als so oder so stabil erweisen oder noch lange voller unruhiger Verwerfungen verlaufen.

Das Recht auch auf einen kriegerischen Weg haben �wir� ihnen mittlerweile ggf. mit einem gewissen Erfolg streitig gemacht und sind entschlossen, das auch weiterhin zu tun.

Was dar�ber in den Menschen dieser Region an Stabilisierendem und Destabilisierendem herangereift ist und noch weiter heranreifen wird und kann, wird sich zeigen. Und wir werden es alle zu tragen haben.

Erzwingen aber l��t sich gerade Stabilit�t nicht.

Sie hat freilich Bedingungen, die wir nicht vernachl�ssigen sollten: Souver�nit�t und Solidarit�t.

Zu mehr haben wir zumal der Position zufolge, die wir mit unserem Diktat einnehmen, und wohl auch sonst kein Recht.

Lassen wir endlich unsere �blichen �bergriffigkeiten und stattdessen Raum, damit die Dinge und die Menschen an ihnen wachsen k�nnen!

 

Der Abbau der derzeitigen Gegnerschaft wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Bis aus ihr Gemeinsamkeit werden kann, ist es noch lang hin.

Sie ausdr�cklich zu w�nschen, ist in Ordnung.

Sie zur Vorgabe machen zu wollen, �ber die bereits heute oder morgen zu konferieren und etwas vertraglich zu verabreden w�re, das erscheint mir zutiefst falsch.

 

Eine, wenn ich es recht verstanden habe, erwogene oder gar vorgesehene Quasi-Protektoratsregierung der EU oder der UNO oder gar einer Milit�rregierung seitens der alliierten bewaffneten Friedenstruppe �ber das Kosovo erschiene mir vollst�ndig unzul�ssig.

 

Denn �ber keine Form der Entm�ndigung d�rfte politische Stabilit�t zu haben sein.

Weder �ber solche Radikalversionen politischen Eingreifens, ...

... noch �ber die gem��igtere Version supra-national verabredeter, bzw. verordneter Verfassungsrichtlinien!!!

 

Die Kosovaren waren und sind nicht nur Opfer. Und die Serben waren und sind nicht nur T�ter.

 

Sobald es tats�chlich zur R�ckbesiedelung des Kosovo kommt, geh�ren deren Modalit�ten einschlie�lich der Nothilfe ohne Wenn und Aber ausschlie�lich in die H�nde der sich dann so oder so dort zusammenfindenden Kosovaren und Serben:

Sie allein sollten dar�ber entscheiden, was sie wo brauchen, und mit welcher Art von Hilfe sie sich es wie bauen k�nnen und wie sie es sich bauen wollen.

Die W�rde von Menschen liegt auch darin, da� man ihnen dergleichen zutraut wie zumutet und sie nicht vermittels gut eingespielter westlicher Hilfsmaschinerien zu weiterer vorl�ufiger Unt�tigkeit verdammt.

 

Die wechselseitigen Untaten, die im Rahmen des hoffentlichen R�cksiedelungsprozesses zwischen Kosovaren und Serben vor allem so oder so zu sanktionieren sind, haben au�er im Bereich von Lynchjustiz, ausschlie�lich ihre Sache zu bleiben.

Und: die Untaten der serbischen Funktionstr�ger Jugoslawiens, soweit sich nicht nur die Kosovaren, sondern namentlich auch die Serben mit ihnen auseinanderzusetzen haben, geh�ren solange in die Hand der Serben selbst bzw. der gesamtjugoslawischen Nation (sofern diese zu neuer Lebensf�higkeit findet), wie sich diese Leute nicht ins Ausland absetzen!

Erst und nur dann geh�ren sie in meinen Augen vor einen internationalen Gerichtshof!

 

Wo von all dem seit Freitag in den Horizont Ger�ckten wenig bis nichts gelingen sollte, der Krieg also weitergeht, sollten wir mit den Leiden der vertriebenen Kosovaren endlich ein kr�ftiges St�ck weit anders umgehen als bisher:

Wem die Menschen und ihre W�rde wirklich am Herzen liegen, der sollte sich dar�ber klar werden, da� er zumal in Extremf�llen vor seiner unmittelbaren Haust�r mehr als eine blo�e Hilfspflicht via Lagererrichtung und Sachmittelverteilung hat. Sp�testens in einem solchen Falle besteht, denke ich, unbegrenzte Asylpflicht!!!

Die vermutlich sogar materiell teureren Kriegslasten, die �wir� diesbez�glich bisher vorrangig gew�hlt haben, gehen uns freilich nur mittelbar an.

Asyllasten forderten uns da schon ungleich vielschichtiger und vor allem n�her!

Hier waren wir in meinen Augen von allem Anfang an gefordert, ohne uns bisher wirklich darauf einzulassen.

Hier werden wir es unausweichlich sein, sollte sich aus dem Friedensproze�, der nun hoffentlich begonnen hat, doch nicht die von allen ersehnte R�ckkehrm�glichkeit der Kosovaren noch vor dem Winter ergeben!

 

Mit eindringlichen Gr��en

 

Heidelberg im Juni 99                              Gabriele Weis

 

 

 

 

 

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mai 1999

 

 

WELTORDNUNGSBAU VIA KRIEG?

 

Ich sehe eine F�lle wirtschaftsgeschichtlicher wie m�chtepolitischer wie migrativer Prozesse, die das seit der Franz�sischen Revolution entfaltete und der gesamten Welt im Europ�isierungswege �bergest�lpte Nationalstaatskonzept sp�testens seit 1945 zu �berlagern begonnen haben. Und ich denke, dieser Vorgang entwickelt eine wachsende Dynamik.

F�r gesteuert und steuerbar halte ich diesen Vorgang nur in Ma�en. Der gr��te Teil ergibt sich und schafft t�glich neu seine Erfordernisse. - Welche, das gilt es ebenso analytisch wie programmatisch herauszufinden..., um Handlungsorientierungen zu gewinnen, ohne in einen Steurbarkeitswahn zu verfallen...

Suptanationalit�t dieser oder jener Auspr�gung hat Vorteile wirtschafts- und m�chteordnungs- und in diesem Zusammenhang auch friedens-politischer sowie bev�lkerungspolitischer und auch �kologischer Natur - weshalb meiner Wahrnehmung nach dominante politische und wirtschaftliche Kr�fte in weiten Teilen der Welt mehr oder minder gezielt an seiner weiteren Dynamisierung arbeiten.

Zu diesen Vorteilen geh�rt:

Die alte Nationalstaatsidee hatte z.T. ungeheure Zerrei�proben zwischen Demokratie und nationalchauvinistischer Diktatur in viele Staatsgebilde dieser Welt getragen und insofern viel Elend produziert. Denn die so erzeugten Spannungen im Innern der Nationalstaaten dr�ngten auf Abreaktion nach au�en. Sie waren und sind zuhauf in besonderer Weise kriegstr�chtig, sobald sie mit bestimmten Wirtschafts- und Gesellschaftsprozessen in Korrelation geraten.

Und: die alte Nationalstaatsidee h�lt nur begrenzte Regelungsfelder bereit f�r all die Existenzsicherungs-Aufgaben, die heutigen Gemeinwesen aus der mittlerweile weltweiten Verflochtenheit menschlicher Aktivit�ten auf allen Gebieten des Lebens zuwachsen. Von daher suchen gro�e Teile der Menschheit ein St�ck weit wohl zurecht nach supranationalen Erweiterungen dieser Regelungsfelder.

Der ausdr�cklich und willentlich allseits mitgestaltete Weg in die Supranationalit�t scheint mir freilich dann kein moralisch vertretbarer Gewinn werden zu k�nnen, wenn er die alten Denk- und Wertungsklischees und –paradoxe einfach unbesehen zur Grundlage nun nicht mehr einfach nationaler, sondern stattdessen so etwas wie kontinentaler bzw. weltweiter Zusammenschl�sse mit gemeinsamen Verfassungsprinzipien zu machen trachtet.

Seit dem Ende des Ost-Westkonfliktes fehlt vielen Menschen und V�lkern offenbar eine Formiertheit der Welt, in der jeder Einzelstaat seinen �berschaubaren Platz in einer nicht allzu beweglichen Rangfolge des internationalen Staatengef�ges hatte.

Ohne derartige, alles scheinbar vereinfachende Formiertheiten n�mlich kann alles jederzeit so oder so in Bewegung geraten. Weltweite Un-Formiertheit jedoch erscheint offenbar den meisten Menschen als tendentiell �u�erst kriegstr�chtig, weil viel zu unsicher.

Mir nicht, jedenfalls nicht per se.

Wie sich so etwas f�r den einzelnen vermittels vergleichbarer innergesellschaftlicher Aufhebungen �lterer Formiertheiten anf�hlt, haben unsere Urururgro�eltern und deren Nachkommen bis auf uns Heutige seit der Aufhebung der feudalen St�ndegesellschaften kennengelernt. In mobilen Gesellschaften zu leben, bringt Freiheitsspielr�ume, es schafft aber auch den Zwang zur individuellen Platzsuche.

Und wir erleben es derzeit mit neuer Brisanz unter den Bedingungsver�nderungen in unseren Sozial-, Wirtschafts- und Politik-Gef�gen, wie sie die heraufziehende �Informationsgesellschaft� mit sich bringt...

(Das eine hat Auswirkungen auf unsere Psyche wie das andere. Diese Auswirkungen vergleichend zu bewerten, scheint mir m��ig. Solche Wirkungen au�en vor lassen zu wollen im Rahmen der Frage, wohin wir denn mit den internationalen Staatengef�gen unserer Tage und der unserer Nachkommen wollen, scheint mir fatal)

In einer Welt mit mobilen Staatengef�gen zu leben, �hnlich wie wir das innergesellschaftlich nun schon seit Generationen vollziehen, scheint zumindest all denen, die derzeit in aller Welt einflu�reiche wirtschaftliche und politische Positionen bekleiden, nicht vorstellbar bzw. dringend akzentuierungsbed�rftig im Rahmen gezielter Polarisierungen.

So jedenfalls lesen sich deren wirtschaftliche und politische Aktivit�ten nicht erst seit dem neuen Jugoslawienkrieg f�r mich.

Denn sie alle haben sich meiner Wahrnehmung und meinem Zusammenhangsverst�ndnis nach vorgesetzt, mit Hilfe eines f�r geeignete Beruhigungen sorgenden Credos menschenrechts- und demokratie-verpflichteter, supranationaler Neuformierungen des internationalen Staatengef�ges auf �zeitgem��e Weise� an der m�glichst machtvollen Absicherung jeweils ihrer materiellen wie ideellen Interessen zu arbeiten.

Formiert mu� in ihren Augen sein. Geregelt ohne Ende. Und ohne �falsche� R�cksichten oder gar Aufrichtigkeiten selbstredend.

Der Wettlauf aller mit allen ist infolge des Wegfalls alter Formiertheiten neu er�ffnet (wie schon einmal zu Zeiten des Imperialismus zwischen 1870 und 1918) - aber frei, also un-formiert und das hei�t doch wohl positionsgef�hrdend auch f�r die, die sich - wie wir - als f�hrende Kr�fte in der Fortschrittsentwicklung der Menschheit begreifen, soll er sich m�glichst nicht vollziehen...

Weil und wo Demokratien ihre Interessen im Spiel zu halten und abzusichern suchen, braucht das jeweils verfolgte Ziel freilich, so sehe ich es, noch lange nicht demokratischer Natur zu sein und das Ergebnis erst recht nicht.

Ziel und Ergebnis k�nnten demokratische Qualit�t nur dann f�r sich beanspruchen, wenn sie aus etwas anderem best�nden als aus festgezurrten Hierarchien zwischen politischen Gemeinwesen nat�rlicherweise so oder so unterschiedlichen Gewichts.

Da� es in den Aktionen und Zielsetzungen der wirtschaftlichen, politischen und milit�rischen Hauptakteure des gegenw�rtigen Weltgeschehens um Formen eines weltweiten wirklich demokratischen Umgangs der Staaten miteinander ginge, an deren Souver�nit�t als in allem v�llig gleichrangige Partner nicht gekratzt wird, auch wenn diese sich in gravierende Fehlentwicklungen hinein verstricken, kann ich nicht erkennen.

Was ich hingegen sehe, ist nahezu restlose Fraglosigkeit ganzer Nationen und ihrer Abgeordneten und sonstigen Amtstr�ger gegen�ber dem eigenen staatlichen Tun bzw. den Argumenten all derer, die unter anderem in der NATO eines der unverzichtbar wichtigen Instrumente ihrer Supranationalit�tspolitik sehen.

Und was ich sehe, ist Verblendung oder Verlogenheit. Sie zeigt sich darin, da� alle Welt sich ausschlie�lich nurmehr auf die Deklamation holzschnittartiger �Wahrheiten� �ber ihre Motive versteift, wo immer sie sich �u�ert.

Da� man die V�lker und Nationen dieser Welt - also die Menschen, soweit sie in diesen beheimatet oder aus ihnen in die Heimatlosigkeit getrieben worden sind - mit allem Respekt (der ihnen unserem Menschenrechtskatalog zufolge doch eigentlich geb�hrte) und wirklich ausdr�cklich wieder und wieder fragte, ob sie �berhaupt inter-, ja supranationale Staaten-Ordnungen wollen, und wenn ja, was alles sie sich diesbez�glich w�nschen...

... und da� man auch nur in Ans�tzen �ffentlich er�rterte, was der Weg in Gegenwart und Zukunft wirklich hei�t, den man da eingeschlagen hat - n�mlich Krieg, Krieg und wieder Krieg, gef�hrt im Dienste eines �partnership for peace�, wie die diesbez�glich neueste Konzeption sich nennt -, sehe ich ebenfalls nicht.

Die Funktionsstellentr�ger dieser Welt tun, was sie f�r richtig halten. Niemand kann etwas anderes.

Seine Verantwortlichkeit f�r das, was einer jeweils f�r richtig h�lt, ist jedoch immer eine Frage des kommunikativen Radiusses, den einer zu schlagen bereit und auf der Suche bleibt.

Er scheint mir in diesen Wochen bei allen, die �ffentliches Geh�r genie�en, best�rzend eng geworden.

Wir alle lassen es mehr oder minder unbesehen bei der alten paradoxen Pr�misse, �ber der schon unsere Nationalstaatlichkeit wieder und wieder in Sackgassen geraten ist:

Wo der Raum f�r Demokratie als einer der Wurzeln dieser Nationalstaatlichkeit eng werde, bed�rfe sie des Diktats... - Und in der Gegenposition: Nur das Diktat dieser oder jener Provenienz bewahre Nationen vor den sch�dlichen Einfl�ssen namentlich demokratisch fehlgeleiteter Volksmassen...

Ich sehe bei allem Alten und bei allen Neuen die nahezu gleicherma�en verbreitete Vorstellung als oberste Handlungsdirektive: man k�nne nicht im Vertrauen darauf leben, da� sich alles so oder so frei assoziiere oder auch dissoziiere. Wer solches propagiere, �ffne einem unendlichen wechselseitigen Schlachten T�r und Tor.

Stattdessen seien Ordnungen durchzusetzen, notfalls mit Gewalt. Nur sie bewahrten die Menschen vor allzu verbreiteter Dummheit und vor Verbrechen aller Art. Wo alle Welt mit aller Welt verflochten sei, seien nur Gro�gebilde lebensf�hig. Ihre Bildung g�lte es zu f�rdern , ihren Zerfall zu hindern.

Ich bestreite Vorstellungen dieser Art entschieden.

Ich halte die Menschen nicht �sogenannt mehrheitlich� f�r dumm und entsprechend f�hrungsbed�rftig.

Sie assoziieren sich, wo sie Vorteile f�r sich sehen und verleihen dem, der f�r bestimmte Vorteilsstrukturen steht, auf diese Weise Macht - weil sie wissen, da� sie viel zu wenig wissen, um mehr als ihren begrenzten Vorteil ins Auge zu fassen zu k�nnen. Wo nicht, ziehen sie sich zur�ck und bringen so �berkommene Gef�ge in Bewegung.

Wo sie andere Vorteilsstrukturen als die, die aus diesen oder jenen Gr�nden gerade in aller Munde sind, gar nicht f�r m�glich halten, weil sie untereinander viel zu wenig Raum lassen f�r Denkalternativen, gibt es zeitweilig selbstredend nichts als Einbahnstra�en.

Und Einbahnstra�en haben nun einmal etwas Frustierendes.

Unter Menschen (ganz gleich ob in Familien, sonstigen Gruppierungen, Staatsnationen oder im Rahmen supranationaler Institutionen) entstehen solche Einbahnstra�en meinem Empfinden nach immer dann, wenn sie sich zu immer gr��eren Teilen darein versteigen, sich wechselseitig allenfalls noch in Randbereichen f�r das zu sch�tzen, was sie einander sein k�nnen.

Dergleichen macht ver�chtlich und aggressiv - jeden einzelnen im Geflecht der gruppendynamischen Prozesse, an denen er so oder so seinen Anteil hat.

Und ich bestreite als eine der in meinen Augen zentralen Vorstellungen hinter all dem die Vorstellung, wirkliche Geltung und �berlebensm�glichkeit in der Welt bes��e nur der oder die oder das Gro�e.

Und Frieden, ehrlicher wohl Nichtkrieg, g�be es nur im Gro�en, in einer Pax Romana oder Americana oder sonstwie �organisatiana�...

Jedes hat seine Eigenart und in seiner Existenz seine Berechtigung. Und alles hat eine Zeit, in der es w�chst, und eine Zeit, in der es verf�llt und Neuem Platz macht. Seine Zeit.

Ob jene Spupranationalit�t, f�r deren weitere Herausbildung die verschiedenen s�dslawischen V�lker mit ihren Konflikten und andere derzeit den Katalysator abgeben m�ssen, weil wir es so wollen oder nicht anders zu k�nnen meinen, nun wirklich ihre Zeit haben wird, wird sich erweisen.

Es h�ngt an unserer mehrheitlichen direkten oder indirekten (wie zur Zeit) Zustimmung zu einer solchen Perspektive.

Oder eben an Denk- und Handlungsalternativen, die eine wachsende Zahl von Menschen zu entdecken und zu entwickeln sich aufmacht.

Der nato-seits schon seit Jahren und nun mit deutlich sch�rferen und machtbewu�teren Akzenten beschrittene Weg wird von denen, die ihn f�hrend mitvollziehen, als der denkbar friedenstr�chtigste, jedenfalls friedensorientierte gesehen und propagiert.

Ich sehe diese Friedenstr�chtigkeit nicht.

Ich halte die Hoffnung hinter den NATO-Aktivit�ten, wenn sich nur eines Tages machtvoll herbeigef�hrterweise alle V�lker und Staaten dieser Welt zu den gleichen Verfassungsprinzipien bekennten wie wir, g�be es auf diesem Globus nicht mehr nur Friedensinseln, sondern ein einziges gro�es Friedensreich der Demokratie und der Menschenrechte sogar f�r noch mehr als einen Wahn.

Ich halte diese wie Hoffnungen vergleichbarer Art f�r jenen – typisch zeitgen�ssischen und kulturkreisbezogenen, ideologischen - Treibstoff, ohne noch kein Krieg dieser Welt gef�hrt worden ist oder je werden wird.

Gleichwohl glauben wir, uns seiner bedienen zu d�rfen und zu sollen. Es ist ja f�r den Frieden!

Aber nat�rlich wissen wir, da� das vor uns liegende Jahrhundert un�bersehbarerweise wachsende Ressourcenknappheiten f�r uns bereithalten wird und da� sich in seinem Verlauf alte wie neue Zugriffsm�glichkeiten und –rechte auf den Ressourcenpool dieser Erde zugunsten anderer verschieben k�nnten, ja mit Sicherheit verschieben werden, wenn wir dem keine Riegel in den Weg schieben.

Die NATO ist kein Friedensinstrument und kann es aus einer F�lle von Gr�nden auch gar nicht sein. Sie ist ein Selbstbehauptungsinstrument wie jede nationalstaatliche Armee traditionellen Zuschnitts oder jede Untergrund- und B�rgerkriegsarmee auch!

Die Gr��e einer Assoziation �ndert doch nichts daran, da� sie nicht weniger zuvorderst sich selbst und ihre Interessen (im Rahmen ihrer internen Einflu�hierarchien nat�rlich) im Auge hat wie die alten Nationalstaaten auch!

Mehr und anderes von irgendeiner Assoziation dieser Welkt zu erwarten, schiene mir einigerma�en t�richt.

Wenn und wo es nur noch um Selbstbehauptung geht, brauchen Menschen Machtinstrumente - unter ihnen die NATO eventuell.

Der Kriegsfall ist da, wo die Selbstbehauptung die Tagesordnung einnimmt - selbst, ja, gerade dann, wenn wir nicht sehen k�nnen und wollen, da� es um sie geht.

Das war in der Vergangenheit so. Und es ist im gegenw�rtigen Jugoslawienkrieg nicht anders. Und zwar auf beiden bzw. allen Seiten!

Und weil ich das so sehe, mein Anliegen:

Wenn und solange es um mehr geht als um solche Selbstbehauptung am Rande m�glichen Abgedr�ngtwerdens in diese oder jene Benachteiligung ...

... - wenn es tats�chlich um Demokratie und Frieden in unserer Welt gehen sollte, also einfach um gleiche Spielr�ume f�r alle, dann m�ssen wir alle lernen, mit Konfliktlagen, die uns so oder so umtreiben und die uns im Mitf�hlen mit leidenden Menschen den Schlaf rauben, namentlich, wenn sie vor unserer Haust�re geschehen, anders umzugehen, als wir das auf dem Weg zu unserer Nationalstaatlichkeit gelernt haben.

Unser Weg dahin war denkbar blutig, und er hat uns auf eine Friedensinsel gef�hrt, die sich nun gegen ein allf�lliges neues �bersp�ltwerden so machtvoll wie m�glich aufzublasen im Begriff ist. Unser Weg dahin war selbstredend auch ideologisch, und er ist es noch gegen alle Deklamatoren eines sogenannt nachideologischen Zeitalters.

Unser Weg ist noch immer bzw. wieder der des Machtgebarens und nicht der der Demokratie.

Denn wir trauen den Wertordnungen, f�r die wir da lautstark einzutreten uns bewaffnet haben, nicht mehr als allerh�chstens drei Schritt weit!

Ebenso wenig wie �einst� �die� Marxisten vor und neben uns den ihren. Oder �die� Christen, Moslems, Islamisten und wie sie alle hei�en m�gen - und ebensowenig wie jeder einzelne von uns je in Zeiten dieser oder jener Bedr�ngnis.

Wir sind Menschen und bleiben es. Wir sind hochfahrend und kleingl�ubig, wir befl�geln einander und wir knechten einander, und wir sind ebenso logikversessen wie inkonsequent... und mit unser gr��tes Handicap sind die T�uschungen und Selbstt�uschungen, denen wir aufsitzen...

Das einzige Korrektiv f�r alle unsere Verirrungen ist, wie mir scheint, wieder und wieder nichts als dieses oder jenes St�ckchen Aufrichtigkeit:

Wo einzelne, Gruppen, Nationen oder supranationale Organisationen auf Machtanspr�che, Einsch�chterungen und Vorgaben nicht verzichten wollen, sollten sie nicht von Demokratie oder Frieden reden. Sie l�gen in diesem Falle unweigerlich, sie bel�gen sich selbst und alle, an die sie sich wenden.

Nur wenn wir dem, was uns wirklich treibt, ins Auge zu sehen bereit sind, k�nnen wir sehen lernen, da� es sich von dem, was andere treibt, deren Verhalten wir nicht akzeptieren k�nnen und wollen, gar nicht so sehr unterscheidet.

Und nur, wenn wir dergleichen sehen wollen, sind wir in Ans�tzen das, was man �friedensf�hig� oder gar �friedfertig� nennen k�nnte.

 

 

Heidelberg, im Mai 99                        Gabriele Weis